Schlafstoerung - Insomnia

Schlafstörungen

Wenn Schlaf nicht mehr selbstverständlich erholsam ist

Schlaf ist weit mehr als eine Ruhephase. Während wir schlafen, finden wichtige Regenerations- und Anpassungsprozesse statt. Ein dauerhaft gestörter Schlaf kann deshalb die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Viele Menschen kennen eine oder mehrere dieser Situationen:

  • Sie können abends nur schwer einschlafen.
  • Sie wachen nachts immer wieder auf.
  • Sie werden regelmäßig gegen 2 oder 3 Uhr morgens wach und können nicht mehr einschlafen.
  • Sie müssen nachts häufig zur Toilette.
  • Sie wachen morgens zu früh auf.
  • Sie schlafen scheinbar ausreichend lange, fühlen sich aber trotzdem nicht erholt.
  • Unruhige Beine oder ein Bewegungsdrang verhindern das Einschlafen.

Dabei ist Schlafstörung nicht gleich Schlafstörung. Entscheidend ist deshalb, die individuelle Situation genauer zu betrachten.

Mögliche Ursachen sind vielfältig

Schlaf kann durch sehr unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören beispielsweise Stress und innere Anspannung, Schmerzen, hormonelle Veränderungen, Verdauungsbeschwerden, Medikamente, Alkohol, ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus oder zu wenig Bewegung.

Auch körperliche Erkrankungen können den Schlaf beeinträchtigen. Umgekehrt kann ein länger anhaltender Schlafmangel wiederum die körperliche und psychische Belastbarkeit vermindern.

Insbesondere bei länger bestehenden Beschwerden lohnt sich deshalb eine ganzheitliche Betrachtung.

Restless Legs – wenn die Beine keine Ruhe geben

Eine häufig unterschätzte Ursache von Schlafproblemen ist das Restless-Legs-Syndrom (RLS).

Betroffene verspüren insbesondere abends oder nachts einen unangenehmen Bewegungsdrang in den Beinen. Manche beschreiben Kribbeln, Ziehen, Brennen oder ein schwer zu beschreibendes „Unruhegefühl“. Bewegung bringt häufig vorübergehend Erleichterung.

Restless Legs können das Einschlafen erheblich erschweren und zu wiederholtem Aufwachen führen. Die Erkrankung ist inzwischen gut untersucht und wird auch in aktuellen internationalen Schlafmedizin-Leitlinien berücksichtigt.

Bei entsprechenden Beschwerden sollte deshalb auch nach möglichen körperlichen Zusammenhängen gesucht werden.

Nicht nur der Mensch – auch die Schlafumgebung

Bei Schlafstörungen konzentriert man sich häufig ausschließlich auf die Person selbst. Aus naturheilkundlicher Sicht kann es jedoch interessant sein, zusätzlich das unmittelbare Umfeld des Schlafplatzes zu betrachten.

Dazu gehören zunächst ganz alltägliche Faktoren:

  • Licht und Geräusche
  • Raumtemperatur und Luftqualität
  • Matratze und Schlafposition
  • elektrische Geräte im unmittelbaren Umfeld
  • Nutzung von Smartphone, Tablet oder Computer am Abend
  • Tagesrhythmus und Gewohnheiten

Darüber hinaus wird in der Naturheilkunde seit langer Zeit auch über sogenannte geopathische Einflüsse, Erdstrahlen oder Wasseradern gesprochen.

Wasseradern und geopathische Zonen

Unter dem Begriff „Wasserader“ werden im naturheilkundlichen Bereich bestimmte Zonen des Untergrundes verstanden, denen ein möglicher Einfluss auf den Menschen zugeschrieben wird.

Die wissenschaftliche Beweislage hierzu ist allerdings nicht eindeutig. Es gibt nur wenige entsprechende Untersuchungen und keinen allgemein anerkannten Nachweis dafür, dass Wasseradern Schlafstörungen verursachen.

Interessant ist dennoch, dass dieses Thema wissenschaftlich untersucht wurde. Eine randomisierte, doppelblinde Untersuchung mit 52 Personen verglich zwei von erfahrenen Rutengängern bestimmte Zonen. Die Forscher fanden Unterschiede in einem von ihnen verwendeten physiologischen Messparameter zwischen den Zonen. Die Untersuchung kann jedoch nicht als Beweis dafür gelten, dass Wasseradern Krankheiten oder Schlafstörungen verursachen.

Eine weitere randomisierte Untersuchung mit 26 Personen untersuchte sogenannte „geopathic stress zones“ und fand einen Unterschied beim subjektiven Wohlbefinden, während die untersuchten Leistungsparameter keine entsprechenden Unterschiede zeigten. Auch diese Ergebnisse sind nicht ausreichend, um einen allgemeinen gesundheitlichen Effekt zu belegen.

Für mich bedeutet das: Solche möglichen Einflüsse müssen weder als erwiesene Tatsache angesehen noch grundsätzlich ausgeschlossen werden. Bei ungeklärten Schlafproblemen kann das Schlafumfeld als ein zusätzlicher Gesichtspunkt betrachtet werden.

Elektromagnetische Felder

Auch technische Einflüsse auf den Schlaf werden wissenschaftlich untersucht. Dazu gehören beispielsweise Mobilfunk, WLAN und andere hochfrequente elektromagnetische Felder.

Die bisherige Forschung ergibt hier ebenfalls kein einfaches Bild. Einzelne experimentelle Untersuchungen haben Veränderungen bestimmter Parameter der Schlafphysiologie beschrieben, während andere Untersuchungen keine eindeutigen Auswirkungen zeigen.

Deshalb halte ich es für sinnvoll, zwischen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen und individuellen Erfahrungen zu unterscheiden – und nicht vorschnell eine bestimmte Ursache für die Schlafprobleme anzunehmen.

Was ich in meiner Praxis berücksichtige

Bei Schlafstörungen geht es mir nicht darum, eine einzige Ursache zu finden, die für jeden Menschen gleichermaßen verantwortlich ist.

Vielmehr betrachte ich unter anderem:

Ihre Schlafsituation:
Wann beginnen die Beschwerden? Wie häufig wachen Sie auf? Gibt es bestimmte Zeiten, zu denen Sie regelmäßig wach werden?

Ihre körperliche Situation:
Welche weiteren Beschwerden bestehen? Gibt es Schmerzen, Verdauungsprobleme, hormonelle Veränderungen oder andere Auffälligkeiten?

Ihre Lebenssituation:
Wie hoch ist die aktuelle Belastung? Wie sehen Tagesrhythmus, Bewegung, Ernährung und Erholungsphasen aus?

Den Schlafplatz:
Gibt es auffällige äußere Faktoren, die mit den Beschwerden zeitlich zusammenfallen könnten?

Auf dieser Grundlage können individuelle naturheilkundliche Maßnahmen ausgewählt werden.

Dabei kann es manchmal bereits aufschlussreich sein, einfache Veränderungen auszuprobieren und zu beobachten, ob sich dadurch die Schlafqualität verändert.

Schlaf wieder als Erholung erleben

Nicht jede schlechte Nacht ist eine Schlafstörung. Wenn Schlafprobleme jedoch über längere Zeit bestehen und Sie sich tagsüber müde, erschöpft oder nicht leistungsfähig fühlen, sollte man genauer hinschauen.

Eine gute Schlafqualität hängt von vielen Faktoren ab. Deshalb kann es sinnvoll sein, nicht nur den Schlaf selbst, sondern den Menschen, seine Lebenssituation und sein Schlafumfeld als Ganzes zu betrachten.

Wenn Sie unter Einschlafproblemen, häufigem nächtlichem Erwachen, frühzeitigem Aufwachen oder nicht erholsamem Schlaf leiden, können wir gemeinsam mögliche Zusammenhänge betrachten und überlegen, welche naturheilkundlichen Maßnahmen in Ihrer individuellen Situation sinnvoll sein könnten.

Wissenschaftliche Literatur

  • Hacker G.W. et al. (2005): Biomedical evidence of influence of geopathic zones on the human body.
  • Augner C., Hacker G.W., Jekel I. (2010): Geopathic stress zones: short-term effects on work performance and well-being?
  • AASM / aktuelle Literatur zur Behandlung chronischer Insomnie: Die wissenschaftliche Schlafmedizin sieht insbesondere verhaltenstherapeutische Verfahren wie CBT-I als wichtigen Bestandteil der Behandlung chronischer Insomnie.